Klosterkirche St. Lorenz

Die St. Lorenz-Kirche

Weithin sichtbar liegt am Rande der Stadt Schöningen die Klosterkirche St. Lorenz. Wer sie besucht, betritt historischen Boden.

 

Schon von weither grüßen die beiden Türme von St. Lorenz. Sie weisen bereits auf eine Besonderheit hin: sie liegen nicht, wie sonst üblich, im Westen, sondern im Ostteil am Chorraum der Kirche. Anhand der Gründungsurkunde des Klosters lässt sich der Baubeginn auf etwa 1120 datieren. Am 18. Oktober 1120 beauftragte Bischof Reinhard von Halberstadt Propst Thietmar, der gleichzeitig Propst in Hamersleben und Kaltenborn war, mit der Durchführung seiner Baupläne.

 

Von dem ursprünglich romanischen Bau sind nur noch Teile des Querhauses und des Chores erkennbar, so dass sich seine einstige Gestalt nur noch erahnen lässt. Hierzu haben sich in der Forschung zwei unterschiedliche Meinungen gebildet. Einerseits wird vermutet, dass die Kirche eine einfache, flachgedeckte, dreischiffige Basilika mit Querhaus und einem Westwerk mit einem oder zwei Türmen gewesen sei, andererseits wird angenommen, dass der Bau niemals in seiner ursprünglichen Planung vollendet worden sei.

 

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurden, wohl in unmittelbarer Nachfolge von Königslutter, einschneidende Umbauten vorgenommen. Aus einem Sendschreiben des Bischofs Eckehardt von Merseburg aus dem Jahr 1235 geht hervor, dass der Bau der Kirche zu dieser Zeit noch unvollendet war. Nach Berichten soll ein Brand im Jahr 1291 fast sämtliche Nebengebäude des Klosters ergriffen haben, die Kirche aber soll durch einen plötzlichen Richtungswechsel des Windes verschont geblieben sein. Aus den wenigen erhaltenen Urkunden geht hervor, dass im Jahre 1391, 1397 und 1400 weitere Bauvorhaben bestanden haben, die sich aber nicht mehr bestimmen lassen. Im 15. Jahrhundert sind das Langhaus und der Westteil zerstört worden. Die Ursache der Katastrophe ist bis heute ungeklärt. Neben einer Brandkatastrophe kämen statische Probleme, die durch das Absacken des Bodens entstanden sein könnten, in Frage. Die Zerstörung ist zwischen 1400 und 1457 anzusetzen. Ein Ablass aus dem Jahre 1502 bezieht sich wahrscheinlich auf die Erneuerung der zerstörten Bauteile der Klosterkirche.

 

Die heutige Gestaltung des Innenraumes (Entfernung der Kirchenbänke, Einrichtung des beweglichen Altars in der Vierung und Herstellung des jetzigen Fußbodenniveaus) erfolgte im Zuge der Sanierung von 1975 bis 1983.

Adresse

 

St. Lorenz-Kirche

Klosterfreiheit 9c

38364 Schöningen

 


Baugeschichte der Klosterkirche

 

Der heutige Zustand der Kirche ist das Resultat durchgreifender baulicher Veränderungen durch die Zeiten hindurch und zeigt ein uneinheitlich zusammengefügtes Bauwerk, was aber seinem Reiz nicht schadet. Anhand der Gründungsurkunde des Klosters lässt sich der Baubeginn etwa 1120 datieren. Am 18. Oktober 1120 beauftragte Bischof Reinhard von Halberstadt Propst Thietmar, der gleichzeitig Propst in Hamersleben und Kaltenborn war, mit der Durchführung seiner Baupläne.

 

Von dem ursprünglichen, romanischen Bau sind nur noch Teile des Querhauses und des Chores erkennbar, so dass sich seine einstige Gestalt nur noch erahnen lässt. Hierzu haben sich in der Forschung zwei unterschiedliche Meinungen gebildet. Einerseits wird vermutet, dass die Kirche eine einfache, flachgedeckte, dreischiffige Basilika mit Querhaus und einem Westwerk mit einem oder zwei Türmen gewesen sei, andererseits wird angenommen, dass der Bau niemals in seiner ursprünglichen Planung vollendet worden ist.

 

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurden, wohl in unmittelbarer Nachfolge von Königslutter, einschneidende Umbauten vorgenommen. Aus einem Sendschreiben des Bischofs Eckehardt von Merseburg aus dem Jahr 1235 geht hervor, dass der Bau der Kirche zu dieser Zeit noch unvollendet war. Nach Berichten soll ein Brand im Jahre 1291 fast sämtliche Nebengebäude des Klosters ergriffen haben, die Kirche aber durch einen plötzlichen Richtungswechsel des Windes verschont geblieben sein. Aus den wenigen erhaltenen Urkunden geht hervor, dass in den Jahren 1391, 1397 und 1400 weitere Bauvorhaben bestanden haben müssen, die sich aber nicht mehr bestimmen lassen. Im 15. Jahrhundert sind das Langhaus und der Westteil zerstört worden. Welcher Art die Katastrophe war, ist bis heute ungeklärt. Neben einer Brandkatastrophe kämen statische Probleme, die durch das Absacken des Bodens entstanden sein können, in Frage. Die Zerstörung ist zwischen 1400 und 1457 anzusetzen. Ein Ablass aus dem Jahre 1502 bezieht sich wahrscheinlich auf die Erneuerung der zerstörten Bauteile der Klosterkirche.

 

Die heutige Gestaltung des Innenraumes (Entfernung der Kirchenbänke, Einrichtung des beweglichen Altars in der Vierung und Herstellung des jetzigen Fußbodenniveaus) erfolgte im Zuge der Sanierung von 1975 bis 1983.

 


Außenbau

 

Die Chorseitenschiffe bilden den Unterbau zu einer monumentalen, für Norddeutschland ungewöhnlichen Ostanlage mit zweigeschossiger, halbrunden Apsis und hohen, beiderseits des Giebels aufragenden Türmen. Die Fertigstellung der Turmgeschosse ist wahrscheinlich mit einer Baunachricht von 1235 zu verbinden. Der frei abgelöste Oberbau und der Mittelgiebel sind im 19. Jahrhundert vereinheitlicht restauriert worden. Im Aufbau folgt die Apsis dem Vorbild in Königslutter, in Schöningen wird jedoch auf jeglichen Aufwand verzichtet. Man beschränkt sich auf eine reduzierte Ausgestaltung der Apsis mit Rundbogenfries, Lisenen und Halbsäulen mit unterschiedlich gestalteten Kapitellen.

 

Auf dasselbe Vorbild verweist das Portal, der heutige Haupteingang, in der südlichen Stirnwand des Querhauses mit seinen korinthisierenden Kapitellen. An der Westseite der Querhausarme sind deutlich die zugesetzten Arkaden zu sehen, die auf ein dreischiffiges Langhaus schließen lassen. Ebenfalls zugesetzt ist eine Tür im Abschluss des nördlichen Querhausarms, die als Durchgang zum Kreuzgang diente. Auch die Ost- und Südseite des Querhauses weisen deutliche Spuren von vergangenen Umbauten auf.

 

Das stark verkürzte, spätgotische Langhaus stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist ein einschiffiger, vierjochiger Bau mit schmalen Spitzbogenfenstern mit je einer Tür zu beiden Seiten. Die Südtür mit ihrem Schulterbogen dient heute als Notausgang. Die zugesetzte Nordtür, die einst den Durchgang in den Westflügel des Kreuzgangs ermöglichte, trägt außen die Jahreszahl 1472.

 

Der Westbau kann als Verlängerung des Langhauses angesehen werden. Es ist ein zweigeschossiger, zweijochiger, türloser Bau mit segmentbogenartigen Fenstern, deren gotisches Maßwerk eine starke Ähnlichkeit zu dem der Langhausfenster aufweist. Die Gedrungenheit des Baus wird durch die massigen Strebepfeiler noch verstärkt. 


Innenraum

 

Bereits um 1160 begann man mit Umbauarbeiten. Die Hauptapsis und der Chor wurden eingewölbt. Dem Chor wurden doppelgeschossige, zweijochige Nebenchöre hinzugefügt, die durch eine Doppelarkatur zum Hauptchor hin geöffnet waren und heute zum Teil zugesetzt sind. Die tief in die Mauern eingelassenen, halbrunden, apsidialen Nischen an der Ostseite der Querhausarme waren zu keiner Zeit zur Kirche hin offen. An der Westseite der Querhausarme wurden die heute zugesetzten Arkaden zu den ehemaligen Seitenschiffen des Langhauses mit Malereien ausgeschmückt.

 

Das mit einem reichen Netzgewölbe versehene Langhaus ist mit figürlichen Schlusssteinen ausgestattet, die die Datierung 1491 und 1492 tragen. Die 13 Schlusssteine stellen von Osten nach Westen dar: 1. Christus mit der Weltkugel, 2. Einen großen Ring mit Minuskelinschrift, 3. Christus als Weltenrichter, 4. Christus als Schmerzensmann zwischen zwei Engeln, 5. Minuskelinschrift, die besagt, dass das Langhaus 1492 vollendet wurde, 6. und 7. Musizierende Engel, 8. bis 11. Heilige, darunter der Schutzpatron der Kirche, der hl. Laurentius mit dem Rost, 12. Christuskopf, 13. Christus an der Martersäule. Die Rippen setzen über Konsolen mit Gesichtern und Fratzen an. Am westlichen Ende des Langhauses befindet sich über dem Zugang zum Westbau eine reich mit gotischem Maßwerk ausgestattete Empore mit der Orgel.

Der westliche Anbau an das Langhaus ist ein zweijochiger, doppelgeschossiger Westvorbau mit tief herabgezogenen Gewölbe, die mit figürlichen Schlusssteinen besetzt sind. Die beiden Räume im Grundgeschoss werden als "Himmel" und "Hölle" bezeichnet.

 

Den Namen Himmel erhielt der östliche der beiden unteren Räume aufgrund seiner Deckenbemalung. In der Mitte befindet sich eine große gemalte Rose, die von einem Kreis eingeschlossen ist, aus dem ein Strahlenkranz erwächst, der wiederum von einem dreifarbigen Kreis umschlossen wird. Um diesen Kreis sind eine Sonne, ein Mond und fünf Sterne platziert. Die Gewölbekappen sind mit einem plastischen, helldunklen Würfelmuster ausgemalt. In der Mitte der Rose ist an den Rippen des Gewölbes ein Schlussstein angebracht, der Christus mit der Geißel zeigt.

 

Auch der westliche der beiden Räume erhielt seinen Namen wegen seiner künstlerischen Gestaltung. Die Schlusssteine stellen Szenen aus der Hölle dar. Ein Schlussstein zeigt eine sitzende Figur, deren Brust ein verzerrtes Antlitz darstellt, ein anderer einen Dudelsackpfeifer. Den anderen Figuren fehlen die Köpfe. Ein Schlussstein ist verschollen.

 

Auch das Obergeschoss, die so genannte Winterkapelle, ist in zwei Räume mit tief herabgezogenen Gewölben gegliedert. Zu Zeiten des Klosters könnten diese Räume als Armarium (Bibliothek/Archiv) gedient haben. Zu erreichen ist das Obergeschoss vom Langhaus über die Empore mittels einer Wendeltreppe vor der ehemaligen Nordtür oder durch ein schmales Treppenhaus an der Nordseite des Westbaus, das im Rahmen der vorletzten großen Wiederherstellungsmaßnahmen der Kirche Mitte des 19. Jahrhunderts in neogotischem Stil angefügt worden ist. Im östlichen oberen Raum ist als Schlussstein König David mit Harfe dargestellt und im westlichen Raum wird das Motiv der Rose verkleinert als Schlussstein wieder aufgenommen.


Zur Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Lorenz

 

Auf einer Anhöhe am Elmhang liegt das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Lorenz. Seine Kirche mit ihrer Doppelturmanlage im Osten ist in der hügeligen Landschaft von weitem sichtbar und gilt gemeinhin als Wahrzeichen der Stadt. Von allen Ortschaften des ehemaligen Herzogtums Braunschweig wird Schöningen als Erste urkundlich genannt, als 748 Pippin der Kurze auf seinem Marsch nach Ohrum, wo sein Bruder Gripho mit seinem Heer gegen ihn stand, bei Schöningen sein Lager bezog. Im Jahre 784 berührte Karl der Große bei seinen Sachsenfeldzügen den Ort, und 994/95 hielt Kaiser Otto III. in Schöningen Hof, was vermuten lässt, dass sich hier ein Königshof befunden haben muss. Es ist anzunehmen, dass der Königshof, die curtis regis, an der Stelle stand, an der die heutige Klosterkirche St. Lorenz steht. Neueste archäologische Funde bestätigen diese Annahme. Schöningen lag an einer alten Heer- und Handelsstraße, die einmal aus einem sächsischen Deiweg (Volksweg) hervorgegangen war, der sich hier nach Westen in zwei Teile gabelte. Zu der am Südostrand des Elms verkehrstechnisch wichtigen Lag kam das Salzvorkommen als wirtschaftsfördernder Faktor hinzu.

 

Es wird berichtet, dass im 10. Jahrhundert Gräfin Oda, Tochter des Grafen Dietrich von der Nordmark und seit 977 Gemahlin Herzog Mislavs I. von Polen, in Calbe ein Benediktinerinnenkloster gegründet hat. Während des Slawenaufstandes 983 wurde das Kloster verwüstet und nach Schöningen, so heißt es, an die Stelle des späteren Ostendorf verlegt. Die Gräfin flüchtete nach Quedlinburg und die Nonnen gelangten über die Grenze nach Schöningen, wo sie auf eigenem Boden ihr neues Kloster gründeten. Anfang des 12. Jahrhunderts begann sich die Kirche von der Bevormundung weltlicher Herrscher zu lösen. Diesen Reformen hatte sich auch Bischof Reinhard von Halberstadt angeschlossen und verlangte dementsprechend von den Nonnen den endgültigen Verzicht auf ihre Beziehung zum weltlichen Leben. Diese weigerten sich, ihre alten verbrieften Rechte aufzugeben, woraufhin der Bischof 1119 das Kloster aufhob, "da jene Vereinigung der zum Kloster Gehörenden (...) unnütz und fruchtlos gegenüber der heiligen Bindung sei und sie bar jeder Ehrenhaftigkeit ihre Tage verbrächten".

 

Der Bischof verteilte die Nonnen auf benachbarte Klöster und gründete zur Verwirklichung seiner Reformpläne 1120 das Kloster St- Laurentius. Besetzt wurde das Kloster mit Augustiner-Chorherren aus dem benachbarten Hamersleben. Das ehemalige Nonnenkloster erwies sich als ungeeignet für Mönche, so dass der Bischof ihnen seine im oberen Teil Schöningens gelegene bischöfliche Kurie schenkte, um dort ein geeignetes Kloster zu errichten, das dem hl. Laurentius geweiht werden sollte. Der Halbetstädter Bischof Reinhard verlieh dem Kloster auch alle Rechte und Güter, die das ehemalige Nonnenkloster besaß. Das Chorherrenstift sollte zu einem Vorbild sittenreicher, strenger Zucht und wissenschaftlicher Arbeit werden.

 

Dem Kloster müssen zur Zeit seiner Gründung beträchtliche Mittel zur Verfügung gestanden haben. Zu den ehemaligen Besitztümern der Nonnen kamen weitere Neuerwerbungen in der Umgebung von Schöningen sowie die utilitas salis, das Salznutzungsrecht über drei Salzkoten. Neben 135 Hufen (1 Huf = 30 Morgen) Ackerland besaß das Kloster noch Wiesen, Wälder, Weinberge und zahlreiche Gehöfte, Häuser und Mühlen. Als Schutzvogt des Konvents war der begüterte und mächtige Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg gewählt worden, der jedoch die Ausübung auf den Grafen Gebhard von Hornburg übertrug. Erst zur Zeit der Reformation und Gegenreformation verlor das Kloster seine wirtschaftliche Macht. Nach der Säkularisation 1648 wurde das Kloster zur evangelisch-lutherischen Gemeinde. Von der Klosteranlage sind nur noch Reste der Konventgebäude und der Mauer, welche die Anlage umgibt, sowie Fundamentreste des Kreuzganges erhalten.

 

Die Gebäude des Klosterguts sind im Besitz eines Golfclubs.


Die Malereien

 

Die prächtigen Ausmalungen im Chor und im Querhaus stammen aus dem 19. Jahrhundert und wurden von dem Braunschweiger Hof- und Dekorationsmaler Adolf Quensen ausgeführt. Sie sind Motiven des Mittelalters nachempfunden. In der Wölbung der Apsis ist die Maiestas Domini dargestellt. Christus thront frontal mit zum Segen erhobener rechter Hand und der Bibel in der Linken. Über seinem Haupt schwebt der Heilige Geist in Gestalt der Taube und an den Seiten stehen die Buchstaben Alpha und Omega. Zu seiner Rechten ist der hl. Laurentius mit dem Rost und zu seiner Linken der hl. Stephanus mit dem Stein zu sehen. Darunter sind zwischen den Fenstern der Apsis die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt. 

 

Das Gewölbe des Chores zeigt in der Mitte das Lamm Gottes umgeben von der Geburt Christi, dem Abendmahl, der Kreuzigung und der Auferstehung. An den Chorseiten sind über den Doppelarkaden die zwölf Apostel dargestellt. Das Gewölbe der Vierung zeigt die Propheten Jesaja, Jeremia und Daniel. An den Schildflächen der Vierung sind der Sündenfall, die Bestrafung, die Vertreibung aus dem Paradies und die Verkündigung an Maria dargestellt. In den Verblendungen der Arkaden befinden sich symbolhafte Bilder von Fischen, Löwen, Pelikan und Adler. Die apsidialen Nischen in den östlichen Querhausarmen schließen nach unten mit Vorhangdraperien ab, ein beliebtes Motiv in der Wandmalerei dieser Zeit. Die spätgotischen Reste von Rankenmalerei im Langhaus sind laut Inschrift 1903 gesichert und ergänzt worden.


Die Ausstattung

 

Das längst der beiden Seitenwände des Langhauses aufgestellte spätgotische Chorgestühl ist aus Eichenholz gefertigt und nur noch unvollständig erhalten. Es wurde bisher aufgrund einer Minuskelinschrift auf einer der Miserikordien (Gesäßstützen) auf 1480 datiert. Die Inschrift ist aber heute nicht mehr entzifferbar. Ein Teil des Gestühls scheint jedoch aufgrund des ausgeführten Schnitzwerks älter zu sein und ist auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zu datieren. Unter der Minuskelinschrift ist der Name hermanus brandes zu entziffern, der des Meisters oder des Auftraggebers. Unter der Miserikordie ist das Brustbild eines jungen Mannes dargestellt, unter dem ein Kelch, vielleicht ein Abendmahlskelch, eingeritzt ist, aus dem zwei Flammen oder Strahlen herausragen. Einen interessanten Aspekt stellen die vor allem am Miserikordienschmuck der Klappspitze gefundenen orange-roten und weißen Farbreste dar, die Aufschluss über eine mögliche frühere farbliche Fassung des Gestühls geben.

 

Die leider heute zu einer halbrunden Form verkürzten Abschlusswangen lassen die ursprüngliche Gestalt des Chorgestühls nur noch erahnen. Auch die in den Accoudoirs (Armlehnen) vorhandene obere Längsnut zeigt eindeutig, dass ursprünglich ein hölzernes Dorsal (Rückwand) und vermutlich auch ein bekrönender Baldachin den vorhandenen Torso ergänzt haben.

 

Eine genaue Datierung des Chorgestühls lässt sich zurzeit nicht herleiten. Hinzu kommt, dass es Unterschiede im Schnitzwerk gibt. Die beiden Abschlusswangen sind mit figürlichen Reliefs geschmückt. Auf der rechten Seite, an der nördlichen Seitenwand, ist die hl. Margarethe mit dem bezwungenen Teufel in Panthergestalt dargestellt, in der linken Hand die Leine, mit der sie den Teufel hält und in der Rechten das Kreuz, mit dem sie den Teufel bezwungen hat. Auf der linken Seite, an der südlichen Seitenwand, handelt es sich höchstwahrscheinlich um die hl. Maria Magdalena mit Salbgefäß und Turban. Auf ihrer linken Gesichtshälfte scheinen Tränen dargestellt zu sein. Die vier hinteren Abschlusswangen weisen jeweils unterschiedliches Maßwerk auf.

 

Von besonderem Reiz sind die zehn geschnitzten Holzrelieftafeln, die heute über dem Chorgestühl zu beiden Seiten des Langhauses in einer neuen Rahmung angebracht sind. Sie stammen aus dem 15. Jahrhundert und stellen Szenen aus dem Passionszyklus dar. Vermutlich sind sie Teile eines ehemaligen Flügelaltars. Es gibt aber in der neueren Forschung Überlegungen, dass die zehn Relieftafeln ursprünglich ein Teil des Chorgestühls gewesen sein können, da sie in die fehlenden Dorsale gepasst hätten.

 

Die Abfolge der zehn Tafeln stellt den Leidensweg Christi dar: den Einzug in Jerusalem, das Abendmahl, das Gebet auf dem Ölberg, die Gefangennahme Christi, die Verspottung Christi, das Verhör vor Pilatus, das Schweißtuch der Veronika, die Grablegung, die Höllenfahrt und die Auferstehung. Die Tafeln waren der Kirche bei Renovierungsarbeiten im 19. Jahrhundert verloren gegangen, als sie von einem -wenig kunstverständigen Baumeister von ihrem früheren Standort entfernt und den in der Kirche tätigen Werkleuten zu beliebigem Gebrauch überwiesen wurden- (Schreiben von Pfarrer Teichmann aus Hoiersdorf an das Herzogliche Consistorium vom 24. April 1909). Erfreulicherweise erhielt die Kirche die Tafeln später als Schenkung zurück. 

 

An der Nordseite des Langhauses befindet sich ein spätgotisches Sakramentshäuschen aus dem 15. Jahrhundert mit Szenen aus dem Jüngsten Gericht. Links unten ist ein Kopf mit geschlossenen Augen zu sehen (wohl ein Mönch), darüber eine betende Figur in einem offenen Sarg und wiederum darüber ein von Höllengeistern gefesselter und gepeinigter Mensch. Rechts ist ein musizierendes Höllenwesen zu sehen, das seine Krallenfüße auf eine Figur gesetzt hat, und darüber von Teufeln gepeinigte Menschen. In der Mitte darüber thront Christus als Weltenrichter mit Lilie und Schwert, die strahlenartig auf seinen Mund weisen. Links und rechts neben ihm ist je ein musizierender Engel dargestellt. Die hölzerne Tür wird zu beiden Seiten von je einem leeren Baldachin, der von einer Fiale bekrönt ist, umrahmt. Über der hölzernen Tür befindet sich ein geschweifter gotischer Spitzbogen, der mit Krabben besetzt ist und als Abschluss eine Kreuzblume trägt. Das Innere des Bogens ist mit gotischem Maßwerk verziert. Die ganze Szenerie wird von einem Baldachin überdacht, dessen reich mit Maßwerk verzierte Spitzbögen in den Raum hineinragen. Bekrönt wird der Baldachin von einer Kreuzblume. Trotz einiger fehlender Stellen ist das aus Sandstein gefertigte Häuschen in einem guten Zustand.

 

Ebenfalls zur Ausstattung gehören zwei vergoldete silberne Abendmahlskelche. Der wahrscheinlich jüngere der beiden Kelche trägt das Meisterzeichen des Goldschmieds Johann Wagner und wurde 1691 der Kirche St. Lorenz gestiftet. Der Kelch trägt unter dem Stehrand folgende gravierte Inschrift: -Sylvester Becker - probst - Daniel Köhler - Verwalter Des CI.St.Laurenty Für Schöningen 1691- . Die dazugehörige Patene trägt wie der Kelch das Meisterzeichen Wagners. Auf einem der sechs Pässe des Fußes ist eine reliefierte Kreuzigungsgruppe angebracht.

 

Der wohl ältere der beiden Kelche trägt unter dem glatten, runden Fuß folgende Inschrift: -AVS LIEBE ZVR EHRE GOTTES HAT D. CAROLL HESSE F.B.L. VERWALTER D.CLOSTERS ST.LAVRENTY FVR SCHÖNINGEN DIESEN KELCH RENOV:LASSEN Ao 1683- .

 

Der Kelch trägt kein Meisterzeichen und ist auf Anfang bis Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Die sechs auf den wulstigen Knauf aufgesetzten, verzierten rauten bilden mit ihren Buchstaben den Namen IHESVS. Auf dem Fuß ist ein lateinisches Balkenkreuz eingraviert, dessen drei kleine Löcher auf einen inzwischen verlorenen Korpus hindeuten.

 

Zur Ausstattung gehören weiterhin ein schlichter Taufstein (wohl romanisch), eine steinerne Kanzel aus dem Jahre 1903 und ein aus dem 19. Jahrhundert stammendes aus Eichenholz geschnitztes Kruzifix.

 

Des Weiteren sind an den Innen- und Außenwänden der Kirche verschiedene Epitaphe aus dem 17. Und 18. Jahrhundert zu finden. Die Orgel wurde 1997/98 von der Orgelbauwerkstatt Becker, Kupfermühle, errichtet. Sie umfasst 37 Register auf zwei Manualen und Pedalen.


Die archäologischen Befunde des Klosters

Von Michael Braune

 

Wegen der Anfang der 1990er Jahre geplanten Umnutzung der landwirtschaftlichen Gebäude des ehemaligen Klostergutes auf der Nordseite der St. Lorenzkirche führte das Landesamt für Denkmalpflege umfassende archäologische Voruntersuchungen durch, die heute nach fast zehnjähriger Arbeit ein recht genaues Bild der klösterlichen Bebauung unter den Augustiner-Chorherren ermöglichen, gleichzeitig aber auch die Grenzen der Erkenntnisse hinsichtlich des vorklösterlichen Zustandes deutlich machen.

 

Bereits beim ersten Grabungsschnitt auf der Nordseite der Kirche konnten die Fundamente des romanischen Seitenschiffes freigelegt werden, die zwei unterschiedliche Fundamentzüge, beide aus vorromanischer Zeit stammend, überbauten.

 

Da diese vermörtelten Steinsetzungen unter die heutige Kirche zogen, waren sie zwar bei der Umgestaltung des Innenraumes der Kirche (1975) bemerkt, allerdings nicht dokumentiert worden. Uns begegneten diese vorromanischen Mauern nicht allein auf der Nordseite, sondern auch entlang der gesamten Bebauung im Westen. Die durch Radiokarbonmethode gewonnenen Datierungen von Holzkohlepartikeln im Kalkmörtel ergaben zwei Perioden von 550 bis 880 sowie von 990 bis 1160, so dass die erste Erwähnung von Schöningen aus dem Jahr 748 und die eines Königshofes (curia regis), in dem Kaiser Otto III. (983-1002) mehrfach geurkundet hat, durchaus mit den archäologischen Befunden in Zusammenhang zu sehen sind, zumal die aufgefundenen Wandstärken von bis zu 1,30m in der damaligen Zeit zu einer wehrhaften Bebauung gehört haben müssen.

 

Während sich die archäologischen Nachweise der Fundamente der romanischen Klosteranlage bis in Details wie unterschiedliche Kelleranlagen und immerhin neun Heißluft-Heizungen erstrecken, konnten wir keinen Nachweis eines Westabschlusses der romanischen Kirche feststellen, weil dieser - sofern er denn bestanden hat - durch gotische Kellerbauten und andere Abbruchmaßnahmen entfernt worden war und möglicherweise weiter westlich freigelegte ältere Fundamente mitbenutzt wurden.

 

Dem geschärften Blick des Betrachters bleibt nicht verborgen, dass die landwirtschaftlichen Gebäude vor allem auf der Ostseite, aber auch auf der Westseite das spätgotische Mauerwerk des Kreuzgangs mit seinen Kreuzstockfenstern bei ihren Umbauten einbezogen haben. Noch heute ist der östliche Kreuzgang auch im Inneren ablesbar mit seinen gotischen Türlaibungen (inschriftlich 1457 datiert), deren Schwellen die ursprüngliche Fußbodenhöhe anzeigen, seinen beiden abgeknickten Treppen in die gewölbten Keller, die den gesamten Ostflügel unterziehen, seiner Flachdecke und vor allem seinen rot-schwarzen Rankenmalereien, die 1999 von der FH Hildesheim, Studiengang Restaurierung, gefestigt wurden.

 

Bekanntlich nutzte man Kreuzgänge zum Bestatten der Klosterangehörigen und seit Pabst Honorius III. (1227) auch für gut situierte weltliche Personen. In St. Lorenz wurden unter dem romanischen und dem gotischen Kreuzgang, die nur durch den Südflügel im Grundriss von einander abweichen, mehr als 90 Bestattungen geborgen, von denen mindestens eine in die vorromanische Zeit datiert, weil sie bereits durch das romanische Kreuzgangfundament durchschnitten wird. Das reiche Fundgut besteht überwiegend aus feinkeramischem Material, beginnend mit Fragmenten aus fränkischer Zeit bis zur einfachen Gebrauchskeramik der früheren Neuzeit, aus Ofenkacheln von den ersten Erscheinungsformen der Topfkachel bis hin zu den üppig dekorierten Kacheln der Renaissance. Kleinfunde aus Metall, wie Münzen, Schlüssel, Schnallen, verzierte Buchschließen und Schreibgriffel, ermöglichen einen kleinen Einblick in das klösterliche Leben der Augustiner-Chorherren, die hier von 1120 bis 1574 wirkten.

 


Pfarrbüro St. Vincenz & St. Lorenz

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